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Präanalytik


1 Präanalytik


1.1    Die präanalytische Phase beinhaltet

  • die Vorbereitung des Patienten (sie ist abhängig von der Art des zu gewinnenden Untersuchungsgutes und dem Analytiker
  • den technischen Ablauf der Probennahme
  • den Probentransport
  • die Aufbewahrung und Lagerung des Untersuchungsgutes
  • die Aufbereitung des Untersuchungsgutes zur Analytik
  • die Kenntnis und Beachtung von Einflussgrößen und Störfaktoren


Häufige Ursache für unplausible Laborwerte sind Fehler in der präanalytischen Phase. Sie fällt zu einem großen Teil in den Aufgaben- und Verantwortungsbereich der Ärzte beziehungsweise Pflegekräfte und zum anderen in den Tätigkeitsbereich des Labors.
 

1.2     Einflussgrößen

Folgende Einflussgrößen verursachen in vivo Veränderungen des zu bestimmen-den Analyten:

  • kurzfristig veränderliche Einflussgrößen sind:
    Ernährung, Fasten, Alkohol, körperliche Aktivität, Tagesrhythmus, Pharmaka, Nikotin
  • langfristig veränderliche Einflussgrößen sind:
    Gewicht, Muskelmasse, Lebensgewohnheiten, Klima, Schwangerschaft
  • unveränderliche Einflussgrößen:
    Geschlecht, Alter, Rasse, Erbfaktoren
  • Entnahmebedingungen, wie beispielsweise Tageszeit, Entnahmeort, Körperlage


1.2.1     Patientenbezogene Einflussgrössen

Viele Messgrößen sind beträchtlichen tagesrhythmischen Schwankungen unterworfen:

Beispiele:

Maximum

Analyt

Größte Abweichung

während des Tages

Morgens

Noradrenalin

120

Natrium, Kalium, Calcium, Phosphate im Urin

80

Cortisol, Testosteron

50

Hämoglobin, Hämatokrit, Leukozyten im Blut, Eiweiß, Thyroxin, Bilirubin

20

Kreatinin-Clearance

15

Calcium im Serum, Bikarbonat

10

Variabel

Eisen

100

Mittags

Adrenalin im Urin

160

Noradrenalin im Urin

100

Eosinophile im Blut

30

Kalium im Blut

15

Abends

Kreatinin

100

Harnstoff, TSH

50

Phosphat im Blut

10

 

 1.3        Störfaktoren

Folgende Störfaktoren führen in vitro nach Entnahme des Untersuchungsgutes zu einem Messergebnis, das nicht der in vivo-Konzentration entspricht:

  • hämolytische Proben: meist krankheits-, therapie- oder abnahmebedingt
  • lipämische Proben: meist krankheits- oder therapiebedingt
  • ikterische Proben: meist krankheitsbedingt
  • Stoffe wie Antikoagulantien, Pharmaka und Infusionslösungen; Plasmaexpander: meist abnahmebedingt
  • geronnene Proben: meist abnahmebedingt durch ungenügende Durchmischung
  • mangelnde Kühlung des Materials bei bestimmten Parametern: meist Transport-verzögerung
  • Kühlung von Material für Anforderungen, bei denen Kühlung stört: meist irrtümlich

Einige dieser Faktoren verfälschen die Analyse, andere machen eine Laboruntersu-chung unmöglich.